Wir über uns: Ortsverein Grünau e.V. – einst Bürgerhaus - jetzt BürgerZentrum

 

 

Geschichte

1893 - erster vorliegender Grundriss des Hauses Friedrichstraße 26, Eigentümer Carl Friedrich Dewitt, seit 1934 Regattastraße 141

1937 - Eigentümer A. Fisch, folgende Jahre ohne Angaben

1945 - Beschlagnahme durch die Rote Armee

1956 - Nutzung durch das MfS

1989 - Das Haus Regattastraße 141 stand leer. Die Villa mit dem großzügigen Garten am Wasser wurde von Grünauerinnen und Grünauern erobert und in Eigeninitiative mit viel Fleiß und Engagement in seinen ursprünglichen baulichen Zustand versetzt.

1990 - Stefan Heym eröffnete am 29. April 1990 mit einer Lesung das Bürgerhaus Grünau.

Das Ziel aller Engagierten war es, einen Ort zu schaffen für Kunst und Kultur, für Geselligkeit und kreatives Gestalten, für Beratung und Unterstützung, für Diskussionen und zur Förderung der Einflussnahme von Bürgerinnen und Bürgern auf das gesellschaftliche Leben. Einen Treffpunkt zu schaffen: generationsübergreifend, offen und bürgernah.

Das gelang über 28 Jahre lang und zur großen Freude von zuletzt ca. 17.500 Gästen jährlich. Das waren 28 Jahre engagierter, gemeinnütziger Arbeit, gelebter Kultur- und Kunstförderung und damit die Entwicklung zum soziokulturellen Zentrum Grünau.

Die Anmietung des Objekts – es befand sich seit 2001 wieder in privater Hand – gestaltete sich über Jahre hinweg schwierig. Das Bezirksamt sah eine langfristige Alternative für den Erhalt des soziokulturellen Zentrums im Umzug in die bezirkseigene Regattatribüne Grünau. Doch die notwendigen Rekonstruktionsarbeiten und der Ausbau der Räume werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die endgültige Kündigung des Mietvertrages durch den privaten Eigentümer zum 31.12.2018 erforderte dann kurzfristig eine Lösung. Sie wurde in der geschichtsträchtigen „Alten Apotheke“ in der Wassersportallee 34 gefunden. Dort befindet sich jetzt das neue BürgerZentrum und wir setzen unsere Arbeit mit großer Freude fort.

 

Ortsverein Grünau e.V. und Bezirksamt

1990 - am 5. März erfolgte die Gründung des Ortsvereins Grünau e.V. und legte damit die juristische Grundlage für die zukünftige Arbeit im Bürgerhaus Grünau.

Ab Oktober 1990 übernahm der Bezirk die Rechtsträgerschaft für die Immobilie und unterstützte personell und finanziell das bürgerschaftliche Engagement der Grünauerinnen und Grünauer.

2001 - wurde die Immobilie nach verlorenem Rechtsstreit rückübertragen und im Jahr 2007 an einen Köpenicker Unternehmer weiterverkauft. Der Bezirk wurde Mieter und der Ortsverein Grünau e.V. blieb Nutzer der Regattastraße 141.

2004 - Das Bezirksamt übertrug alle Kultureinrichtungen an Freie Träger und strich die bezirkseigenen Stellen. Der Ortsverein Grünau e.V. übernahm die alleinige Verantwortung. Dies war ein Wagnis, aber mit viel Einsatz und ehrenamtlicher Arbeit konnten soziale und kulturelle Angebote erhalten oder sogar ausgebaut werden. Über verschiedene arbeitsmarktpolitische Maßnahmen kamen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Bürgerhaus; leider war jedoch mit der Befristung der Stellen ein häufiger Wechsel verbunden. Zu unserer Freunde blieben viele dem Haus als ehrenamtliche Mitarbeiter über Jahre verbunden. Sie alle prägten das Gesicht des Hauses. Mit neuen Menschen kamen auch stets neue Ideen, neue Visionen und neue Veranstaltungen ins Programm.

Der Verein wurde Mitglied in der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft (Chemnitz) und im Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Die gute Zusammenarbeit zwischen Bezirksamt und Verein und die finanzielle Förderung durch das Kulturamt ermöglicht bis heute das umfangreiche tägliche Angebot unseres soziokulturellen Zentrums.

 

Aktuelle Situation

Mit der Kündigung des Mietvertrages für das Haus Regattastr. 141 und dem damit verbundenen unabwendbaren Auszug musste zwingend eine Entscheidung getroffen werden: entweder die erfolgreiche, jahrelange Arbeit beenden – oder eine räumliche Alternative finden.

Einen entscheidenden Beitrag leistete die unmittelbare Nachbarschaft: Die Inhaberin des Fotostudios „Die Linse“ gab einen Tipp an ein Chormitglied - und von einem Abend auf den nächsten Morgen hatten wir ein „Ja“ vom benachbarten Maklerbüro BiB, welches sich schon beim Eigentümer für uns eingesetzt hatte. Und die Bezirksverwaltung schloss sich dem vorgelegten Tempo an: innerhalb von drei Wochen, noch im Dezember 2018, wurde der neue Mietvertrag unterschrieben.

Mit unglaublichem Engagement, Fleiß und Einsatz - sowohl von Seiten der Unterstützer im Bezirksamt als auch von den vielen, vielen ehrenamtlichen Helfern, Vereinsmitgliedern und Freunden ist es gelungen, eine Alternative zu finden und den Umzug an einen neuen Ort innerhalb kürzester Zeit durchzuführen – so dass die Arbeit und das kulturelle Programm praktisch nahtlos fortgesetzt werden konnte.

Und es ist nicht irgendein Ort an dem das BürgerZentrum nun sein Zuhause gefunden hat. Unsere Ortschronistin Dr. Helgunde Hentschel erzählte uns seine Geschichte. Das Haus gehört zu den vor 1900 entstandenen Gründerzeitbauten und es ist das älteste erhalten gebliebene Haus in der heutigen Wassersportallee. Seit 1910 führte der Apotheker Max Salinger die „Grünauer Apotheke und Medicinal - Drogenhandlung“ an der Ecke Regattastraße/Wassersportallee. Später kaufte er „unser“ Haus in der Wassersportallee und gestaltete es für seine Zwecke um. Etwa 1930 wurde hier die „Grünauer Apotheke“ eröffnet.

Max Salinger war Jude. Seine letzten Einträge im Giftbuch stammen aus dem Jahr 1936, da war er bereits 71 Jahre, seine Tochter Hannelore 14 Jahre alt. Im September 1940 sollen beide nach Schöneberg verzogen sein. 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert und verstarb dort, seine Tochter Hannelore war Zwangsarbeiterin bei den Siemens-Schuckert-Werken, wurde 1943 nach Ausschwitz deportiert und gilt als verschollen. Die Stolpersteine vor der Tür erinnern seit dem 1.12.2007 an sie und ihr Schicksal.

Wir engagieren uns wieder in einem Haus mit Geschichte.

Obwohl die Platzverhältnisse sich mit dem Umzug drastisch veränderten, wollten wir keines unserer bewährten Angebote aufgeben. Nur unser beliebter Keramikzirkel endete, wir danken an dieser Stelle der langjährigen künstlerischen Leiterin sehr. Als Gründungsmitglied des Ortsvereins engagiert sie sich weiterhin im Vorstand.

Wichtig, wenn nicht entscheidend, war nun Kooperationen zu schließen, um auch Veranstaltungen sichern zu können, für die unser räumlicher Rahmen nicht mehr ausreichend war. Und wir können sagen, uns ist dies in hervorragender Weise gelungen:

- Dank an die Verantwortlichen im Sportamt, wo jetzt Yoga und Rückenschule stattfinden und die so beliebte Disco ihr neues Zuhause gefunden hat.

- Dank dem Träger FIPP e.V. und der Leiterin der Kita Grüne Aue, die unsere Konzerte, die Tanzgruppe, das Kunstgespür für Kinder und auch unseren Zeichenzirkel in die Räume ihres Familienzentrums aufgenommen haben.

Unterdessen haben fleißige Hände unser BürgerZentrum in ein gemütliches Café verwandelt, die Volkshochschule hat wieder Raum bei uns; Lesungen, Filmvorträge, Hörspiel und Puppentheater hatten Premiere, interessante Gäste waren im Grünauer Gespräch und auch der Chor probt hier vor Ort. Darüber hinaus haben die Volkssolidarität und weitere gesellschaftliche Träger und Initiativen, wie unser Lesekreis und das Autorenkollektiv, einen festen Platz für ihre Treffen und Veranstaltungen.

Ein besonderes Schmuckstück ist unser kleines Kaffee-Gärtchen, welches sich dank eines großzügigen Sponsorings eines Grünauer Unternehmers in ein kleines Paradies verwandelt hat und nun durch unsere Gartencrew bepflanzt und gepflegt wird.

Wir sind glücklich, dass es gelungen ist, den Standort für Kultur und soziale Begegnungen zu erhalten und auszubauen. Die Arbeit wird im BürgerZentrum in der Wassersportallee 34 bis zum geplanten Umzug in die sanierte Regattatribüne weitergehen. Bis dahin ist unser Mietvertrag gesichert.

Nun sind wir bereit – und freuen uns, Sie als Gast bei uns begrüßen zu dürfen. Oder haben Sie jetzt auch Lust bekommen, sich bei uns zu engagieren?

 

Dokumente und Informationen zum Herunterladen

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