Nachruf für Conny Beiche

langjährige Kollegin und Wegbegleiterin im Ortsverein Grünau e. V.

 

Eine glückliche Fügung führten Conny Beiche und mich beim Fernsehfunk in Adlershof 1982 zusammen, die Redakteurin und die Grafikerin der neuen Kindersendung „Superschlau“.

Conny Beiche hatte Journalistik in Leipzig studiert, ihr Volontariat in Adlershof absolviert und war jetzt auf die kleinen Menschen – die Kinder – losgelassen, was ihr übrigens ungemein lag.

Über die gemeinsame Arbeit haben wir uns rasch angefreundet, zumal wir beide in Grünau unser Dach überm Kopf hatten. Es kam vor, dass morgens um 7 Uhr die Übergabe der Grafiken für die Sendung im Studio an der Kreuzung am S-Bahnhof Grünau erfolgte, von der Hand der Grafikerin in die der Redakteurin, sozusagen auf den letzten Plutz! Hat ja niemand erfahren.

Eine schöne Geschichte, die ein erhellendes Bild auf den Arbeitsalltag beim Fernsehfunk in Adlershof warf, sei hier noch erzählt. Die Grafikerin hatte einen Studiotermin verwechselt. Das gesamte Arbeitsteam vom Regisseur bis hin zum Schnittmeister, der im Ü-Wagen saß, wartete. Als die Grafikerin verspätet erschien, war keiner böse, denn der Kameramann schickte die Dame in den werkseigenen Konsum mit der Bemerkung, sie wisse, was sie als Revanche zu besorgen hätte.

Nach Jahren wurde die Kindersendung „Superschlau“ eingestellt, aber Kontakt hatten wir immer. Conny wechselte ihren Lebensmittelpunkt von Grünau nach Pankow-Heinersdorf. 1989 verschwand die DDR, wir waren jetzt ein einig Vaterland, ein Deutschland.

Ende der neunziger Jahre war Conny wieder in Grünau – hier im Bürgerhaus Grünau, einer schönen alten Jugendstilvilla mit einer wechselvollen Geschichte, gebaut als herrschaftliche Fabrikantenvilla, enteignet nach den Kriegswirren, besetzt von den Russen, übernommen vom MfS.

Als Conny Beiche ausgerechnet in diesem Hause verhört wurde, ahnte sie nicht, dass sie hier Jahre später eine gute und glückliche Arbeitszeit über etliche Jahre haben würde, zuerst beim Kulturamt Köpenick, später beim Ortsverein Grünau e. V. So schloss sich der Kreis wieder.

Conny Beiche ist neben einer Leseratte vor allem eine begeisterte Musikliebhaberin gewesen. Ihr Schwager ist übrigens ausgebildeter Sänger. So lag es auf der Hand, dass wir gemeinsam die Reihe Klassik im Bürgerhaus machten. Dabei entstanden oft sehr persönliche Kontakte zu den Musikern, so dass wir nach den Konzerten noch bei Connys berühmtem Speckkuchen und Rotwein zusammen saßen. Ja, kochen konnte die Journalistin. Zur Pilzzeit ging’s in den Wald und mit gefüllten Körbchen zurück in die Grüne Trift. Über Jahre praktizierte sie einen Kochkurs mit Kindern. Zu Weihnachten gab es köstliche Kekse.

Überhaupt war Conny ein Mensch, der sehr Traditionen behaftet war. Sie war eine ganz treue Seele, ein Mensch ohne Hintergedanken, aber gerade deshalb sehr verletzlich. Sie konnte wunderbare Texte schreiben, voller Wärme und Witz. Ich denke nur an den Nachruf unseres ehemaligen Kollegen Horst Bachmann.

Conny war ein absolut verlässlicher Mensch, auch bei der Arbeit hier im Bürgerhaus. Sie sah einfach alles, was zu erledigen war und erledigte das ohne Umschweife, was anderen zu unbequem war.

Im Gegensatz zu Menschen, die von der Bildfläche verschwinden, ohne dass es auffällt, hinterlässt Conny Beiche eine große Lücke. Sie ist ein Mensch, den man vermissen wird und an den man oft denken wird. Am 10. März wäre sie 61 Jahre geworden.

 

Renate Rusch

20. März 2014

 

Conny Beiche

Conna Beiche

* 10. März 1953 in Dessau, † 17. Februar 2014 in Berlin

 


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